Easy-going Haute Cuisine

Die Stadt Düsseldorf ist ein Gastro-Paradies, das wissen Kenner der Szene nicht erst seit wir den einzigen Japaner Deutschlands beherbergen, dessen Kochkunst mit einem Michelin-Stern geehrt wurde (Nagaya). Hier gibt es kreative Japaner, gutbürgerliche Deutsche, Italiener wie mitten aus Rom, französische Gourmettempel, innovative Crossover-Konzepte und klassische Spitzenküche – oder eben welche, die nicht so klassisch ist.

Düsseldorf ist ein hartes Pflaster um erfolgreich Essen an den Mann zu bringen und trotzdem sprießen immer neue Restaurants aus dem Boden, wie kleine Gänseblümchen am Straßenrand. „Denn die Stadt hat zwar ein hartes Pflaster“, sagt Bastian Falkenroth, „ist aber eben auch ein guter Nährboden für innovative Konzepte“. Im gleichen Viertel, auf der gleichen (Kloster-)Straße wie das Nagaya, gibt es seit März 2013 nun gute Gesellschaft: U. das Restaurant überzeugt mit einem kreativen Konzept und unkonventionellem Ambiente (zumindest für die, die bei Spitzenküche noch immer an weiße Tischdecken, goldene Kerzenständer und sieben verschiedene Bestecksorten denken). Falkenroth hat hier seine Zelte aufgeschlagen und nach einem ersten Jahr erfolgreichen Kochens, plant er auch erstmal nicht mehr zu verschwinden. Wer auf Spitzengastronomie steht, sich im edlen und manchmal steifen Ambiente vieler Gourmetrestaurants jedoch nicht wohl fühlt, ist hier mehr als richtig.

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Antike Holzstühle, weiße Landhaussitze, massive Holzhocker, rote Ledersofas: Was zusammengewürfelt wirkt; ist gewollt so. Shabby Chic heißt das Zauberwort – und trotz den momentan in Massen aufkommenden so dekorierten Cafés und Restaurants – wirkt das U. nicht wie eine Kopie, sondern wie eine kleine gemütliche Insel im Großstadtdschungel: individuell, leger, qualitativ hochwertig. Die Karte ist übersichtlich aber aufregend, das Ambiente ist angenehm entspannt, wird dem edlen Tropfen den es zur Begrüßung gibt, aber trotzdem gerecht.

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Bastian Falkenroth ist hier Küchenchef und Inhaber. Gemeinsam mit seiner Freundin Lena Hädelt, die auch das Kaffee Uhlenbusch leitet, in welches sich U. das Restaurant tagsüber verwandelt, hat er seine erste eigene Gastro mitten im japanischen Viertel eröffnet. Der volltätowierte Anfangdreißiger hat im Kochen seine Berufung gefunden, seine Leidenschaft – und das schmeckt man. Die Gerichte im U. sind allesamt in Zwischenganggröße, man wählt aus einer kompakten Karte mit stetig wechselnden Gerichten und stellt sich so sein (Zwei-,Drei-, Vier-,Sechs-)Gänge-Menü zusammen. Die Weinkarte ist vor allem mit deutschen Weinen bestückt, übersichtlich aber ausreichend und perfekt gewählt.
Das U. befindet sich an der Klosterstraße in guter Gesellschaft: Vielfältige Gastronomien machen das Viertel zu einer echten Goldgrube, wenn es um gutes Essen, kreative Konzepte und ein interessantes Gemisch an Haute Cuisine-Küchen, Burger-Joints, Cafés und Asiaten geht. Gleich ums Eck befindet sich der Senkrechtstarter What’s Beef, das Toykio und Geheimtipps wie das Rozan, wo es authentisches japanisches Sushi gibt.

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Wer im U. Spitzenküche auf Sterneniveau erwartet, bekommt sie; wer Kellner im Pinguinlook und ein förmliches Sie für nötig hält, bleibt lieber fern. Hier präsentiert sich Gourmetküche im etwas anderen Gewand: Die Servicemädels sind eher unkonventionell gekleidet, hier und da blitzen Tätowierungen unter den Ärmeln hervor, man wird mit einem freundlichen Du begrüßt und trotzdem sind die Ladys so kompetent, dass kein Wein uncharakterisiert bleibt und jeder Gast weiß, was er auf dem Teller hat. Sonderwünsche sind natürlich erlaubt, wie es sich gehört in der gehobenen Gastro. Wer Glück hat, wird auch schon mal vom Chef höchstpersönlich bedient.

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Der Laden ist nicht nur optisch ein echtes Glanzstück, sondern vor allem was die liebevoll angerichteten, überraschend innovativen Gerichte angeht: Hier trifft Lamm auf schwarzen Knoblauch, Drachenkopf auf Safran und Fenchel, Spargel auf Macadamianuss und Mascarpone und ein 48-Stunden-Ei auf Spinat und Ravioli. Kreativ ist auch die Art des Anrichtens: Das Bisontartar kommt nicht auf dem Teller, sondern in einem verschließbaren Döschen mit Glasdeckel; so dass man das bunte Gemüse-Müsli auf dem saftig-rosafarbenen Tartar sehen kann – die milde Ziegenmilch darunter entdeckt der Gast hingegen erst nach dem ersten oder zweiten Happen. Auch ins Glas kommt nur Gutes, zum Beispiel ein trockener Riesling vom Karthäuserhofberg (2010) und ein Mano Negra von Philipp Kuhn (2010).

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Bastian selbst ist die Personifizierung seine Konzepts: In locker sitzenden Jeans, mit anthrazitfarbender Kochjacke und gegelten Haaren schlendert er durch seinen Laden, plaudert hier mal, gibt dort einen Tipp und rauscht dann wieder in die große Industrieküche um sich dem zu widmen was er beherrscht: dem Kochen und Kreieren. Bei einem Glas frischem Weißen stützt er sich auf den tätowierten Ellenbogen, hat eine Hand in der Hosentasche. Er gehört zu den jungen Wilden, möchte man meinen, aber wenn man ihn zu seiner Küche und den außergewöhnlichen Kreationen befragt, verschwindet der freche Ton, das coole Äußere und er gerät ins Philosophieren: Falkenroth weiß was er kann, aber er weiß auch, dass man nie aufhört zu lernen. Nach Stationen wie Hamburg, Los Angeles und Köln scheint er angekommen und kann endlich das tun was er liebt: Gehobene Küche so servieren wie sie ihm gefällt.  Perfekt abgeschmeckt, frisch, qualitativ hochwertig – aber eben auch leger, unaufgeregt und locker.

10178447_10203668627736019_781584144_nBastian Falkenroth bei der Arbeit

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