Salvador in Brasilien: Entspannung mal anders

Written by Julian, Berlin 13. Oktober 2018

Die besten Tage von Salvador sind gezählt, den Rang der heißesten Stadt am Atlantik musste die Stadt an Rio abgeben. Trotzdem lohnt sich ein Besuch in der für ihre Entspanntheit berühmten Stadt.

Wir sind in einem Airbnb im Stadtviertel Campo Grande/Graca untergekommen. Hochhäuser beanspruchen heute hier die beste Sicht auf die Küste und die Neureichen sind in den Zweitausendern in diese Gegend gezogen. Das Viertel beherbergt ein paar Museen und den größten Yacht Club in Salvador – unaufgeregt, aber eben auch irgendwie angenehm. Bis 1763 war die drittgrößte Stadt des Landes auch die Hauptstadt, heute ist sie bloß noch Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Bahia. Sie ist vielleicht keine Schönheit, die Stadt selbst, aber doch irgendwie interessant.

Die Stadt Salvador ist auf verschiedenen Ebenen einer Bergkette gebaut, was sie irgendwie eindrucksvoll und gleichzeitig gemütlich anders macht. Die verschiedenen Ebenen teilen den Ort  in eine Oberstadt genannt cidade alta und in eine rund 70 Meter tiefer gelegene Unterstadt genannt cidade baixa teilt. Die beiden Teile Salvadors sind verbunden, jedoch muss man, um von einen Teil in den anderen zu gelangen, entweder einen Aufzug mit dem Namen Lacerda oder eine der vielen, unterschiedlichen Buslinien der Stadt nutzen.Wenn man den Bus Richtung Altstadt (Cidade Alta) nimmt, steigt man am Besten in den 1001er und fährt bis zu Endstation. Zwischen den Stationen werden von geschäftstüchtigen Jugendlichen kühle Getränke und manchmal auch kleine Snacks angeboten. Hier treffen durch die Hitze hervorgerufene Lethargie auf umtriebigen Trubel, als Besucher macht es Spaß zu beobachten.

Man sitzt an der Promenade, schaut den Menschen zu und genießt den Moment. Ein bisschen zähflüssig fließt es hier, trotz der Lebendigkeit von Menschen und Ort an sich.

Im Stadtbezirk Cidade Alta angekommen offenbart sich ein Anblick voller Kontraste: Historische Gebäude treffen auf imposante Plattenbauten – die  beiden unterschiedlichen Bauarten erstrecken sich vor dem tiefen Azurblau des Atlantiks. Die Stadt mit offiziell knapp 2.7 Mio Einwohnern ist ein kulinarischer Hotspot und wartet mit allerlei Leckereien auf. Frauen mit weiten Röcken und farbenfrohen Turbanen sitzen hinter Essständen und bieten ihre Ware feil. Es riecht nach Palmöl und Weihrauch, man kann extrem leckere Snacks kaufen oder frische, saftige Früchte, die herrlich erfrischend sind bei den heißen Temperaturen Brasiliens. Alles wird entspannt angegangen hier in Salvador. Man sitzt an der Promenade, schaut den Menschen zu und genießt den Moment. Ein bisschen zähflüssig fließt es hier, trotz der Lebendigkeit von Menschen und Ort an sich.

Mit dem Boot kommt man in knapp zwei Stunden vom Stadtzentrum Salvadors auf die Ilha de Tinharé, an einen sehr touristischen Ort, der dennoch seine ganz eigenen Reize hat. Die gesamte Insel ist autofrei, was die Entspannung auf ein anderes Level treibt. Im Hauptort Morro de Sao Paulo ist es damit schnell vorbei – hier geht abends eine große Party nach der nächsten ab. Laute Musik, leckere Drinks, heiße Rhythmen, zu der Touristen wie auch ein paar Einheimische eindrucksvoll die Hüften schwingen – wer feiern will, ist hier genau richtig.

Wer es etwas ruhiger mag, der muss die Strände eins bis vier passieren (ja, die sind durchnummeriert) Ab Strand fünf wird es langsam aber sicher ruhiger, weniger bevölkert und große Palmen säumen den endlosen Sandstrand. Hallo, kleines Paradies! Kleine Fischerboote ankern direkt an der Küste – perfekt um hinunter zu fahren und den Ausblick auf Landschaft, Meer und die verblassenden Lichter des Ortes zu genießen.

Wer aufgeregte Fremde und außergewöhnliche Erfahrungen sucht, ist in Rio oder Sao Paulo sicher besser aufgehoben. Wer sich treiben lassen will, sehen, wie die Menschen einer Stadt leben, die nicht Nummer eins des Landes ist, aber eben doch irgendwie Seele hat, besucht Salvador auf seiner Reise durch Brasilien. Schönheit nämlich, liegt immer im Auge des Betrachters.

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