Kulinarik, Gutes im Glas, eine Region zum Verlieben: Das Prosecco DOC

Written by Maren Merken, Berlin 29. September 2023

Es ist schon ein wenig her, da hat es mich nach Italien verschlagen. In den Nordosten von Italien, um genauer zu werden. Nach Treviso und in das schöne Umland Venetien, wenn wir sehr genau werden wollen. Ins Prosecco DOC, wenn wir kleinlich sein möchten.
Von Frankfurt geht es nach Venedig und von da aus gleich weiter nach Venetien. Spoiler? Ich war da noch nie. Und hab eben immer gejammert, dass ich da noch nie war. Und jetzt ist es passiert und ich bin hingefahren – und neben dem generell schon so tollen Programm, durfte ich am Ende auch noch einen Tag Venedig entdecken. What a dream.

Prosecco DOC – wie erkennt man den eigentlich?

Aber konzentrieren wir uns auf Wesentliche: Das, was ins Glas kommt. Das ist im Prosecco DOC vor allem Prosecco DOC. Der Laie schreit, was? Was macht das DOC dahinter? Hinter der Bergifflichkeit Prosecco DOC steht die geschützte Ursprungsbezeichnung. Das prominente DOC steht hier für „Denominazione di origine controllata“ (auf gutdeutsch: geschützte Ursprungsbezeichnung). Das bedeutet wiederum, dass Prosecco DOC nur und ausschließlich in diesem spezifischen geografischen Gebiet produziert. Wenn DOC auf der Flasche steht, ist also DOC drin. Zu erkennen auch an der blauen Banderole am Flaschenhals.
Gerade angekommen, haben wir uns nach einer ersten Einführung auf in die Villa Sandi gemacht. Das wirklich prächtige Anwesen mit jeder Menge Tradition im Haupthaus ist wunderschön gelegen und gehört der Moretti Polegato Familie. Man merkt gleich: Hier ist man stolz aufs Produkt. Der Kellermeister leitet das Tasting mit Hingabe und genau der richtigen Portion Witz und man weiß gleich: Der kennt sich aus. Und was er da im Keller tut, aus dem FF. Das schmeckt man auch – drei Prosecco DOC, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Fast überall dabei in den kommenden Tagen? Prosecco DOC Rosé.

Barbievoice: Gibt’s das auch in rosa?

Den gibt es noch gar nicht so lange, denn bisher gab es Prosecco nur in weiß. Ein echter Prosecco DOC muss immer mindestens 85% der Glera-Rebsorte enthalten. Bei rosé gesellt sich Pinot Noir dazu.2019 kam die Entscheidung des Prosecco-Konsortiums: Ab 2021, also um genauer zu sein beginnend mit der Lese 2020, darf es auch rosé-farbenden Prosecco geben. Der Pinot Noir ist nicht nur für die schöne Farbe, sondern auch für weitere Aromen und natürlich eine abgeänderte Struktur verantwortlich ist. Wie die uns allen bekannte, helle Variante darf auch der nun erlaubte Prosecco DOC Rosé aus akribisch genau definierten Provinzen im Norden Italiens gelesen und hergestellt werden.

Aber zurück zur Villa Sandi. Mit dem Tasting war unser Besuch noch nicht beendet – im Anschluss gab es Kulinarik vom Feinsten, im hauseigenen Restaurant, der Locanda Sandi. Nach Hause sind wir eher gerollt als gelaufen. Aber glücklich. Glück ist sowieso ein Begriff, der sehr gut zu den Tagen in der Region passt.
Ziemlich wunderbar ging es weiter: Tag Zwei stand ganz im Zeichen von #tasteprosecco. Mit Unterbrechungen und vielen Eindrücken toller Güter – egal ob zu Fuß, zu Fahrrad oder aus dem Bus, der uns sicher von Location zu Location brachte.

Pro Italien? Pro Prosecco DOC – spätestens seit meines letzten Besuchs.

Italienisches Lebensgefühl zum Einpacken

Wenn ich mich an Tag zwei entscheiden muss, was mein Favorit war? Fällt mir das leicht: Anton Facchin & Figli. Ein familiengeführtes Weingut. Idyllisch gelegen, eine unglaublich nette Winzer*innenfamilie, Italien, wie man es sich vorstellt. Familiär, echt, nahbar – mit viel Leidenschaft für ihr Produkt. Hier haben wir nicht nur ihre Range an Bubbles probiert, sondern auch gemeinsam auf der sonnigen Terrasse geluncht. Und das macht solche Reisen für mich besonders. Ich halte wenig davon, durch Weingut nach Weingut zu hetzen, trinken, spucken, tasten, spucken, und am Ende bleibt viel vom Stress hängen – wenig von dem was im Glas war. Für mich als Nicht-Expertin ist Wein immer auch Lebensgefühl. Etwas, das man mit einem Moment verbindet. Wie ich die unterschiedlichen Prosecci der Familie.
Und auch der Besuch bei Masottina in Conegliano hat sich eingeprägt. Der Blick aufs hügelige Gelände, das Schlendern durch die eindrucksvolle Kellerei, das Tasting von fünf unterschiedlichen Prosecci. Mein klarer Favorit? Collezione Viaventi Prosecco DOC Extra Brut. Mir sind Prosecco oft ein wenig zu süß – und bei uns in Deutschland sind es genau die, die man in erster Instanz (und ohne viel Hintergrundwissen) zu kaufen bekommt. Der hier überzeugt mich mit nur 3g Restzucker. I like.
Nach Radtour, Sonnenstrahlen im Gesicht, tollem Lunch und vielen Insights in Region und Materie, tasten wir noch bei V8+. Modernes Flaschendesign, eine Vinothek zum Niederknien. Auf Nachfrage erfahre ich, dass hier auch Parties veranstaltet werden – und weine ein bisschen, dass Berlin so weit weg ist und man nicht mal eben vorbeischneien kann. Was ins Glas kommt ist mir persönlich zu viel Konzept. Aber ich kann sie sehen, die Zielgruppe. Die, die Bock auf Alarm am Gaumen hat. Und auf Flaschen, die den Zeitgeist widerspiegeln. Und auch das ist das Schöne an Wein: Für jede*n gibt es genau das richtige Produkt.

Der Laie denkt: Ok, es gibt nur die blaue Banderole – und dann hab ich meinen guten Prosecco DOC identifiziert. Der Profi weiss, es gibt doch noch DOCG. DOC ist das mit der blauen Banderole am Flaschenhals und DOCG das mit der braunen. Weil wir blau viel schöner finden und der Himmel über der Region im Juni traumhaft blau war und weil wir wirklich, wirklich nicht viel Zeit haben und hatten, haben wir uns also auf’s Prosecco DOC konzentriert. Und das hat – wie ihr seht – schon einiges zu bieten.

Geheimtipp für echte Kulinarik-Fans

Der Abend endet… Moment. Fast hätte ich das kulinarische Highlight der Reise vergessen. Ich schreibe das nicht, weil das hier eine Kooperation ist. Ich schreibe es sogar mit Widerwillen, weil ich Angst habe, dass der neue Geheimtipp bald keiner mehr ist. Auf der anderen Seite gönne ich euch das Erlebnis und dem Laden den Erfolg. Also hier: Geht ins Ai Brittoni. Geht hin. Bestellt die Karte rauf und runter. Bewundert in der alten Bibliothek die eindrucksvolle Sammlung an Wein, Sekt, Prosecco, Champagner (alle mit Preisen auf der Flasche und zum Kaufen). Ich wär‘ am liebsten mit einem der tollen Vitra-Stühle rausgerollt (ja. Echte. Der ganze Laden voll). Aber dann hätte ich nicht mehr wiederkommen können und das wäre wirklich jammerschade. Auf den Tisch kommen norditalienische Klassiker neu interpretiert. Auf den Punkt. ALLES. In Glas kommt der*die perfekte Sparring-Partner*in zum Gericht. Und auf die Ohren bekommt man melodisch all das vom jungen, charmanten Inhaber vorgetragen. Freund*innen, es ist der Place-to-be. Und ihr Banaus*innen, wenn ihr nicht hingeht.

Venedig: Lang erhofft, endlich gesehen

Ein Geheimnis muss ich nicht drum machen: Die Region hat mich auch gereizt, wegen ihrer Lage. 36 Jahre, überall in der Welt gewesen – aber nach Venedig hatte ich es bisher nicht geschafft. Immer irgendwie gewollt, aber dann war es mir zu voll, zu teuer, zu touristisch. Zu Venedig.
Naja, wenn man dann eben so nah dran ist … und Tipp für alle: Man kann auch ganz hervorragend in Treviso nächtigen (und essen, siehe oben) und von da aus entspannt per Zug nach Venedig reinfahren. Das spart Geld und Nerven. Also haben wir – unsere muntere Reisegruppe aus dem Prosecco DOC – noch einen Tag und eine Nacht Venedig drangehängt. Was soll ich sagen? Ich fand es wunderschön – der Tag hat dann aber gereicht, um das Flair einzufangen, entlang der Kanäle zu schlendern, ganz wunderbar zu essen und Aperitivo auf kleinen Brücken zu schlürfen, auch dort an vielen Ecken tollen Prosecco zu probieren – und sich dann, wenn die Stadt überquillt vor Menschen, auf dem öffentlichen Balkon des Hotels bei einem Glas Sprudligem über die vergangenen Tage zu unterhalten.

Hach bella italia. Was bleibt? Die Erkenntnis, dass Prosecco mehr ist als süße Brause mit Partyflair. Das Wissen, woran man den echten Prosecco DOC erkennt (blaue Banderole, Freund*innen, blaue!). Tolle neue Bekanntschaften. Und ganz schön viel Dankbarkeit, dass das hier ein bisschen auch mein Job ist.

Schaut doch mal bei meinen Kolleg*innen vorbei – die waren auch da (und noch an vielen anderen tollen Weinhotspots):

Daniel Bayer aka Wein verstehen
Tanja von Foodistas
Jelena von Der kulinarische Donnerstag
Gesa Noormann

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