Bastian Falkenroth und das NENIO: Next level Sterneküche im schnieken Düsseldorf

Written by Maren Merken, Berlin 06. August 2018

Bastian Falkenroths Werdegang liest sich wie das Gästebuch beim Who-is-Who der deutschen Gastronomie: Von Holger Berens über Nils Henkel bis hin zu Thomas Bühner ist so ziemlich jeder der Großen der deutschen Sterneküche in seinem Lebenslauf vertreten – zusätzlich zu Stationen in LA, wo er sich zum Sushimeister hat ausbilden lassen, und beim Master der Meeresfrüchte bei Patrick Le Guern in Düsseldorf. Mit seinem eigenen Laden U. das Restaurant überzeugt er seit 2014 ­–  mit dem NENIO hat er seinen ersten eigenen Stern erkocht.

Ich koche für Menschen, die Lust auf gutes Essen haben; Bock auf echte Kulinarik. Hier gibt es keine Extrawürste – wer individuell zugeschnittene Menüs sucht, Veganer oder Vegetarier ist, ist im NENIO eher falsch

„Das NENIO war von Anfang an als eine Spielwiese meiner Fertigkeiten gedacht“, erzählt der Mittdreißiger bei einem Besuch in seinem geschmackvoll aber minimalistisch eingerichteten Sternelokal. Eine Theke, 15 Plätze, eine offene Küche und sonst nicht viel mehr – auf den ersten Blick. „Nichts“ bedeutet NENIO auf Esperanto und nach einem Besuch weiß man: Es gibt wenig bis nichts Vergleichbares. „Es geht auch darum, nichts zu erwarten und sich einfach auf etwas Neues einzulassen, sich fallen zu lassen“, verrät Bastian. Im NENIO gibt es ein festes Menü, welches alle sieben Wochen wechselt. Die Gerichte orientieren sich an der Saison und zum Teil auch der Region – und an Bastians eigenem, filigranen und ausgezeichneten Geschmack und seinem Interesse für Innovation und Kreativität.

„Ich koche für Menschen, die Lust auf gutes Essen haben; Bock auf echte Kulinarik. Hier gibt es keine Extrawürste – wer individuell zugeschnittene Menüs sucht, Veganer oder Vegetarier ist, ist im NENIO eher falsch“, sagt Falkenroth selbstbewusst. Der Vater einer Tochter weiß, was er kann, wird dennoch nicht müde sich auszuprobieren, dazuzulernen, Neues zu testen. „Die Sterneküche verändert sich laufend – genauso wie das Klientel der Gäste. Der klassische Sternerestaurantbesucher älteren Kalibers stirbt vielerorts aus, es wächst eine neue Generation an Gästen heran.“ Eine die neugierig auf Neues ist und gleichzeitig bereit ist, dafür auch mal tiefer in die Tasche zu greifen: Im NENIO kostet das Sieben-Gänge-Menü inklusive Bockmachern, Sprudelwasser und Brot 130 Euro, wer möchte, wählt eine passende Weinbegleitung für 65 Euro. Edle Tropfen und solide Begleiter stammen zum Großteil aus deutschen Landen und können natürlich auch flaschenweise geordert werden.

 

Ein Preis der sich lohnt: Man kann kaum entscheiden, welchen Gang dieses Gaumenfeuerwerks man am meisten genossen hat. Mit seiner teils provozierenden, sehr lockeren aber dennoch professionellen und fachlichen Art ist Bastian Falkenroth im NENIO nah am Gast – im wahrsten Sinne des Wortes. Nur durch eine Bar getrennt, schiebt er dem Genießer kleine Meisterwerke über den Tresen, die geschmacklich perfekt ausbalanciert sind, und oft erst beim zweiten Bissen ihre Raffinesse offenbaren. Bei meinem Besuch begeistert der Saibling mit Schwarzwälder Miso und Schinken ebenso wie die unfassbar zarte Jakobsmuschel, die von Rotkohl, Wasabi und Sourcream hoffiert wird. In erster Instanz fremd auf der Zunge und am Gaumen wirkt der Käsegang Epoisse mit Quitte und Portwein – begeistert aber spätestens wenn man sich mit allen Sinnen darauf eingelassen hat. „Käsegänge sind für viele schwierig, wer sich viel mit guter Küche auseinandersetzt, wird aber schnell Fan“, weiß Basi.

Bastian Falkenroth weiß nicht nur was er tut, er macht auch in der Küche eine wirklich gute Figur. In anthrazitfarbener Kochjacke, mit thematisch passend tätowierten Armen und der Attitüde eines Lebemanns verkörpert er das, was die junge Fine-Dining-Szene braucht: Mut, Innovation, Kreativität und die Fähigkeit über den Tellerrand zu schauen. Dafür wurde er schon im ersten Jahr des NENIOS mit einem Stern belohnt. „Wer sagt, er habe in meinem Job nicht den Anspruch einen Stern zu erkochen, lügt“, statuiert er ganz offen. „Klar, provoziert ein Stern eine gewisse Erwartungshaltung beim Gast. Er ist aber auch einfach ein internationaler Maßstab und eine Ehre, die noch immer als höchste Auszeichnung gilt.“ Wir finden: Mehr als verdient hat er ihn – und Düsseldorf hat damit einen weiteren Grund, der eine Reise wert ist.

 

NENIO, Klosterstraße 34, 40211 Düsseldorf

Reservierungen: 0211 / 87 58 61 37

Menü 130 Euro.

Alle Bilder von Marvin Schoenberg

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